GOLDMUSKATELLER UND MERLOT

CORA_GOLDMUSKATELLER_TRAUBE.jpg

Ein Plädoyer für den trockenen Goldmuskateller

„Der liebste Buhle, den ich han, der liegt beim Wirt im Keller. Er hat ein hölzern Röcklin an und heißt der Muskateller“ (Johann Baptist Fischart, *1546 + 1591) – Als der Dichter und Humanist Johannes Fischart seinem Lieblingswein diesen Zweizeiler spendete, da gab es den Muskateller (das „Gold“ hat man ihm erst im 19. Jahrhundert umgehängt) im Raum Südtirol bereits beinahe seit tausendsechshundert Jahren, genauer gesagt seit der Eroberung des antiken Rätiens im Jahre 15 v. Chr.

Die Familie der Muskatellerrreben mit ihren vielen Spielarten gehört zu den ältesten Rebsorten; die Rebe, die wahrscheinlich aus Kleinasien stammt, wurde von den Römern in allen Weinbau-geeigneten Gebieten ihres Imperiums verbreitet. 


Edmund Mach, der Begründer der modernen Weinwissenschaft in Südtirol, hat dem Gelben Muskateller oder Goldmuskateller vor 120 Jahren ein sehr gutes Sortenprofil geschrieben:

„Die Qualität dieser Traubensorte ist, was das Bukett betrifft, eine vorzügliche ... der Gelbe Muskateller besitzt den bekannten  Muskatgeschmack in sehr hohem Grade und hat denselben auch dann schon, wenn die Traube noch nicht vollständig reif erscheint.“

Deshalb wurde und wird ein bisschen Goldmuskateller gerne als Kellermedizin dazu benutzt, um Weiße bzw. weiße Verschnitte mit schwachem Bukett etwas „aufzuduften“. In Verruf gekommen ist der Goldmuskateller als „pickiger“ Süßwein in den 1970er Jahren des Massentourismus, als er hierzulande so verdammt restsüß ausgebaut wurde, um ihn vor allem dem deutschen Gaumen („die tun Zucker in den Salat -, den Wein wollen sie noch süßer haben!“) schmackhaft zu machen.

Erst gegen Ende der 1980er Jahre kam ein qualitativer Umkehrschub, als die ersten hochwertigen GM-„passiti“ aus unseren Kellern kamen. Jedoch ist guter bis sehr guter trocken ausgebauter Goldmuskateller leider immer noch eine Rarität in Südtirol geblieben. Manche Kellermeister fluchen ja über den Goldmuskateller, weil er „wenig Grad macht“, weil er die besten Lagen beansprucht. Der Hundling!

Und am Ende – oder sagen wir genauer: beim Abgang zeigt er einem noch einmal die Zunge, bääh!, weil ein trockener Goldmuskateller manchmal den Gaumen ein bisschen bitter verlässt. Das jedoch gehört zu seinen Reizen. Es gibt genug geschniegelte, gestriegelte, geschönte Weine! 


Der trockene Goldmuskateller „Cora“ ist ein erfrischender Weißer, der das typische Muskateller-Duftwölkchen verbreitet. Aufgrund seiner hervorragenden Säurestruktur wirkt er sehr vital und würzig. Der elegant-fruchtbetonte, erstaunlich lange Nachhall erinnert an Akazienhonig und getrocknete, zartbittere Pampelmuse-Schale.

Weinbriefe (zum Download)

CORA Goldmuskateller 2018   89 Punkte (Falstaff)  CORA Goldmuskateller 2019   90 Punkte (Falstaff)                     

Merlot – der große Franzose in den Alpen

Als Heimat des Merlot wird allgemein das Bordeaux-Gebiet angenommen, wo diese Rebsorte seit dem 17. Jahrhundert bekannt und seit dem 18. Jahrhundert weit verbreitet ist. Der Name stammt vom Vogel, der dieser frühreifen Sorte am hartnäckigsten nachstellt: „Merlot“ ist der Bordelaiser Ausdruck für „kleine Amsel“. Ob beim Merlot etwas Poetisches (die Ähnlichkeit der Trauben mit den blauschimmernden Federn der Amsel) oder etwas Bodenständiges (Bauernflüche über die zum Teufel gewünschten, gefiederten Traubendiebe) namensstiftend war, kann nicht mehr exakt festgestellt werden. Das gehört zu den Legenden, Anekdoten und Geschichten des Weines.

Im Risorgimento, als die Franzosen gehen mussten, hat man das neue Italien unter anderem auch mit Franzosenwein gefeiert – Merlot hat sich besonders in Nord- und Mittelitalien ausgebreitet. Sie küssten und sie schlugen ihn, den Merlot: seit der Eroberung Galliens durch Cäsar hat Italien mehr Niederlagen als Siege gegen Frankreich eingefahren, es ist ein dauerndes Lieben und Hassen.

 

Im Moment wird der Merlot, dieser eingebürgerte Franzose, in Italien mehr geprügelt als geliebt. Bis vor zehn Jahren wurden die besten Südtiroler Merlots regelmäßig in den nationalen Weingazetten und –führern hochgefeiert - gelobt wurde der tanninherbe Grundton, gepriesen der süße Extraktgehalt, die tiefe Farbe, die feste alpine Art in der Jugend des Weines, die wundervoll weiche und seidige Textur im reiferen Alter. Seit ein paar Jahren herrscht diesbezüglich Totenstille. Der Merlot ist „fuori moda“ und man steht als sein Liebhaber und Gönner ziemlich einsam in einem Jurassic Parc. Aber er lebt noch und zum Glück gibt es zwischen Kurtatsch (Paradelage „Brenntal“), Terlan, Siebeneich und Unterrain ein paar unerschütterliche Kellermeister, die mit Kostproben von diesem französisch-pfeffrigen-gerbstoffrobusten und dennoch feingliedrig-fruchtigen Merlot begeistern.

Der Merlot vom Corahof begeistert die Sinne mit sanfter Kraft, guter Konzentration, breiter, aromatischer Dichte: was das Trüffelschwein im Waldboden findet, ist präsent, außerdem jede Menge Waldbeeren, auch Schokolade, sogar Tabak und frisch geröstete Kaffeebohnen. Unterrain ist eine der schönen Merlot-Kleinlagen Südtirols.

Weinbriefe (zum Download)

CORA Merlot 2015      93 Punkte (Falstaff)   

CORA Merlot 2016      87 WPT (Wein.Plus)

CORA Merlot 2017      91 Punkte (Falstaff)    

MERLOT_REBE_CORAHOF.jpg